Unser engagierter Berufspraktikant Simon hatte letzte Woche mit Hrn. Philipp Einecke, dem Geschäftsführer von Marketing Constructor GbR Einecke & Giesche im Zuge seines Berufspraktikums und seiner Bachelorarbeit, ein sehr interessantes Interview:

Simon Derflinger: Danke, dass Sie sich für das Interview Zeit genommen haben, Hr. Einecke. Im Zuge des 6. Semester meines ebusiness Studiums beschäftige ich mich mit Online-Reputation-Management. Damit einhergehend verfasse ich zu diesem Thema eine wissenschaftliche Arbeit. Seit einigen Monaten setze ich mich nun mit ORM auseinander. Was war für Sie ausschlaggebend, dass Sie sich mit dieser Thematik beschäftigen?

Philipp Einecke: Statistiken beweisen immer wieder sehr eindrucksvoll, welche Rolle die öffentliche Darstellung einer Person nicht nur beim beruflichen Vorwärtskommen spielt. Auch in meinem Bekanntenkreis finden sich solche Beispiele, wie der Ruf eines gesamten Unternehmens oder einzelner seiner Mitarbeiter sich auf eigentlich unbeteiligte Personen auswirken kann. Das zeigt, dass jeder Mensch davon betroffen sein kann. Es ist interessant, zu sehen, welche Verflechtungen durch die Verbreitung von Nachrichten sich einerseits von selbst ergeben und welche Zusammenhänge die Menschen herstellen, die negative Darstellungen von Firmen oder Personen lesen. Es ist eine Eigenart des Menschen, vom Kleinen auf das große Ganze zu schließen und umgekehrt Einschätzungen einer größeren Gruppe auf jedes einzelne Mitglied zu übertragen. Es ist eine echte Herausforderung Möglichkeiten zu finden, wie man diesen Denkmechanismus der Menschen wirksam durchbrechen kann.

Simon Derflinger: Kürzlich kursierte ein Bericht durch die Medien, dass eine junge Dame, gekündigt wurde, weil sie kurz zuvor, bei einem bekannten Social Media Dienst, gepostet hatte, wie langweilig es nicht in der Firma sei. Diese Meldungen sind keine Einzelfälle mehr. Immer öfter informieren sich Unternehmen über ihre Angestellten, oder erkundigen sich vor der Einstellung einer neuen Fachkraft, über sie im Internet. Der Wandel des weltweiten Netzes zum Web 2.0 senkte die Anonymität des Einzelnen erheblich. Was bedeutet das für jeden Einzelnen? Hat das nur negative Auswirkungen auf unsere Privatsphäre?

Philipp Einecke: Nein, das hat durchaus auch Vorteile. Denken wir nur an die Menschen, die Klassen- oder Studientreffen vorbereiten und dafür die Adressen zusammen tragen müssen. Da bieten die im Internet hinterlegten Daten eine sehr wirksame Hilfe. Auch Erbenermittler greifen gern auf die Daten im Internet zu. Stellen Sie sich vor, Sie hätten irgendwo in der Welt einen Erbonkel, von dem Sie nichts wissen und Sie bekämen ein Millionenerbe nicht, nur weil man Sie nicht finden konnte. Allerdings ist es richtig, dass eine negative Darstellung einer Person im Internet sehr viele Nachteile mit sich bringt. Für den Einzelnen ist es extrem schwierig die Kontrolle zu behalten, welche Daten über ihn öffentlich zugänglich sind und welche nicht. Vor allem sollte man sich hüten, selbst im Internet zu viel über sich preis zu geben oder gar mit seiner Meinung über die verschiedensten Dinge zu leichtsinnig umzugehen. Besonders die zahlreichen sozialen Netzwerke und Meckerforen bergen eine große Gefahr, weil viele Nutzer unterschätzen, wie leicht diese Daten auch von nicht registrierten Nutzern eingesehen werden können.

Simon Derflinger: Nicht nur Privatpersonen müssen auf Ihre Reputation im Internet achten. Auch Unternehmen müssen ihre Online-Reputation laufend im Auge behalten. Zu groß ist der Meinungsaustausch zwischen den Internetusern über Unternehmen und deren Produkte bzw. deren Marke. Wie sollen Unternehmen mit der Web 2.0-Welt umgehen? Was empfehlen Sie Unternehmen für ein erfolgreiches Monitoring?

Philipp Einecke: Auch den Unternehmern möchte ich unbedingt ans Herz legen durchgängig zu kontrollieren, was über sie im Internet veröffentlicht wird. Das ist zu Beginn sehr zeitraubend, aber man entwickelt sehr schnell ein Gespür dafür, wo negative Informationen öffentlich breit getreten werden. Außerdem gibt es die Möglichkeit, sich von den Blogs und Foren, wo regelmäßig Stimmung gegen Unternehmen oder deren Mitarbeiter gemacht wird, via RSS Feed neue Einträge automatisiert anzeigen zu lassen. Wer sich die Mühe nicht machen möchte, könnte das sehr schnell auch wirtschaftlich zu spüren bekommen. Deshalb sind die Dienstleistungen, die für Unternehmen und Einzelpersonen zur Bewahrung oder Wiederherstellung einer positiven Web Reputation angeboten werden, eine gute Sache. Im Verhältnis zu den Einbußen, die ein Unternehmen durch eine Diffamierung erleiden kann, sind die Kosten für eine solche Betreuung verschwindend gering, zumal das Potential der Diffamierung vom Unternehmen als Ganzes bis hin zu jedem einzelnen Mitarbeiter reichen kann. Auch sollte man die Aktivitäten von Mitarbeitern im Auge behalten, die von Seiten des Unternehmens gekündigt worden sind. Der Schwerpunkt liegt hier vor allem auf Beendigungen von Arbeitsverhältnissen auf Grund von Vorfällen, die durch wiederholte Abmahnungen zu einer fristlosen Kündigung geführt haben. Sie versuchen sich häufig durch die Verbreitung diffamierender Nachrichten am Unternehmen zu rächen. Das passiert vor allem dann, wenn sie sich durch die Kündigung unberechtigt behandelt fühlen.

Simon Derflinger: Welchen Einfluss hat die Homepage eines Unternehmens auf dessen Reputation im Internet? Welche Chancen bestehen hier, wenn es um den Ruf im World Wide Web eher schlecht bestellt ist?

Philipp Einecke: Wer meint, dass die eigene Homepage nur den Zweck der Auffindbarkeit der Kontaktdaten und der Werbung erfüllen kann, der unterschätzt das darin liegende Potential gewaltig. Unternehmen, die eine negative Reputation im Internet haben, besitzen oft auch Websites, die kaum gepflegt werden. Das ist eine fatale Nachlässigkeit. Über seine Website kann man ein entscheidendes Stück dazu beitragen, negative Nachrichten in den Hintergrund treten zu lassen. Beschwert sich beispielsweise ein ehemaliger Mitarbeiter in einem Meckerforum darüber, dass er im Unternehmen gemobbt worden ist, kann man dem begegnen, indem man auf seiner Website den neuesten Maßnahmenkatalog gegen Mobbing vorstellt und so der Öffentlichkeit signalisiert, dass man das Problem erkannt und entsprechend darauf reagiert hat. Hier sollte allerdings mit viel Fingerspitzengefühl herangegangen werden. Werden einzelne Mitarbeiter öffentlich wegen ihrer unternehmerischen Entscheidungen kritisiert, bietet die Homepage die Möglichkeit, allgemein über die Notwendigkeit bestimmter Vorgehensweisen zu berichten und sie mit Fakten zu untermauern. So entzieht man den Nachrichten die Basis, auf der sie negativ ausgewertet werden können. Allerdings sollte man sich auch hier professionelle Hilfe holen, die am besten in einer Person besteht, die sich von der Psychologie über die äußere Gestaltung bis hin zum Formulieren der Inhalte besonders gut mit dieser Problematik auskennt.

Simon Derflinger: Wenn man Statistiken sowohl von Österreich, als auch von Deutschland betrachtet, stellt man Eines fest: beinahe 90% der Internetuser informieren sich über Suchmaschinen. Welchen Einfluss nehmen diese auf die Online Reputation eines jeden Einzelnen? Welchen Rat würden Sie mir als Privatperson zur geben, wenn Sie negative Informationen über mich finden würden?

Philipp Einecke: Das Problem der Information über Suchmaschinen besteht darin, dass viele User dazu tendieren, nur das zu lesen, was als Ausschnitt bei Google, MSN, Yahoo und Co. angezeigt wird. Das liegt ganz einfach daran, dass es in den meisten Fällen eine ganze Flut von gefundenen Stellen ist, deren komplette Sichtung eine Unmenge an Zeit erfordern würde. Durch diese oberflächliche Information werden viele Fakten komplett aus dem Zusammenhang herausgerissen und jeder sie genau so auswerten kann, wie er das gerade möchte. Wenn ich negative Informationen über meine Person finde, die nicht der Wahrheit entsprechen, dann bitte ich in einem ersten Schritt den Betreiber der jeweiligen Plattform, diese zu löschen. Weigern sich die Betreiber, dann kann man notfalls auch Rechtsmittel wie eine Unterlassungsanordnung auf den Weg bringen. Das ist aber in den seltensten Fällen nötig. Finden sich solche negativen Einträge in Foren oder Blogs, dann gehöre ich zu denjenigen, die sich dort als User eintragen und den Urheber zur Vorlage von Beweisen auffordern und der auch schon mal deutlich macht, dass er den Inhalt der Paragraphen 186 und 187 des deutschen Strafgesetzbuches kennt.

Simon Derflinger: Social Networks bieten einem Jeden die Möglichkeit sich selbst zu präsentieren, und mit den unterschiedlichsten Personen Kontakte aufzubauen. Welche Auswirkung hat das auf unsere Reputation? Wo zieht man die Grenze zwischen der digitalen Öffentlichkeit, der Privatsphäre und der Intimsphäre?

Philipp Einecke: Die sozialen Netze im Internet sind ein sehr zweischneidiges Schwert. Sie können einem dabei helfen, in einem guten Licht dazustehen, bergen aber auch die Gefahr, dass man selbst in seinem Profil sowie durch die öffentlich ausgetauschten Mitteilungen zu viel von sich preis gibt. Als besonders kritisch stufe ich die auf diesen Plattformen häufig öffentlich angezeigten Kontaktlisten ein. Findet sich in dieser Auflistung jemand, der einen sehr schlechten Ruf im Internet hat, dann färbt das sehr schnell auch auf diejenigen Nutzer ab, in deren Kontaktlisten die jeweiligen Personen und Firmen stehen. Informationen über den familiären Hintergrund oder die Vermögenssituation haben dort schon mal gar nichts zu suchen. Je mehr Informationen ein Fremder aus der Intimsphäre eines Menschen dort finden kann, desto gefährlicher lebt nicht nur der Betreffende selbst, sondern auch seine Familie. Dabei braucht man nur an die zahlreichen Erpressungsversuche zu denken, bei denen Kinder von hochrangigen Persönlichkeiten entführt worden sind. Die Privat- und Intimsphäre ist von der Öffentlichkeit unbedingt abzuschirmen.

Simon Derflinger: Die USA sind Vorreiter, Deutschland zieht nach und Österreich steckt noch in den Kinderschuhen. Warum denken Sie, dass das Thema Online-Reputation-Management immer wichtiger wird?

Philipp Einecke: In den Vereinigten Staaten sind die öffentlichen Diffamierungen schon immer Gang und Gäbe. Da muss es nicht wundern, dass auch die Möglichkeiten des Internets sehr schnell erkannt und ausgenutzt worden sind. Dabei braucht man nur an YouTube und andere Plattformen zu denken, wo jeder seine Videoclips einstellen kann. Welchen Schaden man damit anrichten kann, hat die Lewinski Affaire gezeigt. Auch Boris Becker bekam die Auswirkungen seiner Wäschekammeraktion in den Medien zu spüren. Ist der öffentliche Ruf erst einmal ruiniert, ist es sehr schwer, ihn wieder herzustellen. In Deutschland ist das Internet als Informationsquelle sehr auf dem Vormarsch. Die Zahl der Haushalte, die darauf Zugriff haben, steigt täglich weiter an. Im Rahmen des Konjunkturprogramms sollen nun auch die ländlichen Gebiete versorgt werden, die bisher nicht an dieser Art der Informationsbeschaffung teilhaben konnten. Nachrichtenübermittlung über das Internet verdrängt auch in Deutschland zunehmend die klassischen Medien, weil man einerseits im Web die Informationen weltweit und nicht nur regional begrenzt zugänglich machen kann und anderseits viel schneller auf veränderte Situationen reagieren kann. Kein Wunder, dass dieses Medium auch in Europa zunehmend dazu genutzt wird, um mit der Verbreitung negativer Nachrichten Schaden anzurichten.

Simon Derflinger: Abschließend ein kurzer Word Rap. Twitter?
Philipp Einecke: Schreiben Sie nur Posts, die Sie nicht vor Ihrem Arbeitgeber verstecken würden und bleiben Sie authentisch.

Simon Derflinger: Unternehmensblogs?
Philipp Einecke: Gute Sache, wenn man genau aufpasst, was man dort veröffentlicht.

Simon Derflinger: Bewertungsportale?
Philipp Einecke: Dort besteht eine erhebliche Gefahr durch gefakte Accounts.

Simon Derflinger: Google Blogsearch oder Technorati?
Philipp Einecke: Google Blogsearch.

Simon Derflinger: Ziele für dieses Jahr?
Philipp Einecke: Möglichst vielen Menschen zeigen, wie wichtig Ruf-Management vor allem in Zeiten einer wirtschaftlichen Krise ist…

Simon Derflinger: Danke für das Interview Hr. Einecke, alles Gute und danke für Ihre überaus interessanten Beiträge in Ihrem world-wide-reputation Blog.

2 Antworten zu “Online Reputation Management: Interview mit Philipp Einecke”
  1. […] dem Online Marketing Blog aus Österreich könnt findet Ihr das Interview. Wer möchte kann gern mal […]

  2. ……

    Бизнесмен из Вас отличный…

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