Wir hatten die Möglichkeit, dem Google Chef von Österreich einige Fragen über Suchmaschinenmarketing und Online Marketing in Österreich zu stellen. Außerdem haben wir ihn auf die Verzögerung des Baubegins im Datencenter in Kronstorf angesprochen, nimmt er auch zum Werbemarkt in Österreich Stellung und abschließend gibt es Dr. Karl Pall im Wordrap. Wir wünschen euch viel Vergnügen beim Hören oder Lesen.

————————————————————–

Podcast Download

————————————————————–

Thomas Fleischanderl: Herr Pall, Sie sind seit 2007 als Country Manager von Google Österreich aktiv – wenn Sie die letzten beiden Jahre Revue passieren lassen, welche Erfolge konnten Sie in Österreich verzeichnen?

Dr. Karl. Pall / Quelle: APA

Karl Pall: Wir haben bereits 2006 die Österreichniederlassung eröffnet, also 1 Jahr schon früher und sind jetzt im 3. Jahr unterwegs. Ich glaube, das Größte und Wesentlichste war eine gewisse Bewusstseinsbildung in einem neuen Marketingsegment zu machen – eine komplett neue Definition von Marketing einfach auch zu implementieren. Wenn ich das jetzt qualitativ ausdrücke, ich werde weniger oft gefragt – im Vergleich zu früher – worüber Google eigentlich sein Geld verdient und das ist vielleicht ein kleiner Indikator dafür, dass es sich schon ein bisschen herumgesprochen hat. Wenn man es sehr stark formulieren würde, würde ich sagen es ist „Evangelisierung“, aber in Wahrheit geht’s um die Bewusstseinsbildung, dass man hier Kommunikationsmaßnahmen ganz neu definiert, dass heute nicht mehr nur in Zielgruppen gesprochen wird und in Kontaktchancen, sondern wirklich in Fakten, in Klicks und damit auch in Actions und Aktionen, in der Form, dass letztendlich auch Käufe getätigt  werden – und das glaube ich, ist uns gelungen.

Thomas Fleischanderl: Die heimische Wirtschaft investiert lt. Google-Manager Markus Kienberger nur 2,6 Prozent des Werbebudgets in Online Marketing – die Mediennutzung des Internet liegt bei den Österreichern bei 17% – wie beurteilen Sie den Markt für Suchmaschinenmarketing in Österreich?

Karl Pall: Wenn Sie diese Zahlen gegenüberstellen, dann sehen Sie eigentlich schon, dass die Kluft eine wirklich überraschend hohe ist. Die Online Mediennutzung in der Freizeit mit 17% liegt absolut im europäischen Schnitt – ich glaube, es ist mittlerweile schon wieder ein bisschen gestiegen – also, der europäische Schnitt ist so bei 20%, da sind wir gut auf. Bei der Userstruktur – die Österreicher haben erkannt, wie wertvoll das Medium ist, sie nutzen es, sie setzen sich damit auseinander und sind absolut im europäischen Trend. Die Werbewirtschaft hinkt einfach um viele Jahre hinten nach – da gibt es ein paar Zahlen, wo manche sagen, es sind netto nur 2%, andere sagen es ist über 3%. Egal in welcher Spanne sich das abspielt, es ist einfach viel zu niedrig im Vergleich zu dem, wie Österreicher, die das Internet nutzen und die Möglichkeiten für sich erkannt haben. Daraus ergibt sich ganz klar, dass wir nicht das Schlusslicht im europäischen Vergleich sein können. Wir werden uns zumindest mittelfristig auf die größeren Märkte konzentrieren und dann glaube ich auch unsere Marketingbudgets entsprechend in diese Richtung entwickeln – das ist zweifelsohne der Fall.

Thomas Fleischanderl: Das hohe Potential für Suchmaschinenmarketing war ja anscheinend der Grund für die Errichtung eines Datencenters in Österreich! Es gab auch Gerüchte um den Aufschub vom Datencenter in Kronstorf oder eben einen deutlich späterer Baubeginn. Können Sie diese Gerüchte bestätigen?

Karl Pall: Hier dürfen wir ein paar Dinge nicht vermischen, denn wenn wir von einem Datencenter reden, dann reden wir nicht von Österreich und das hat mit dem vorher gesagten gar nichts zu tun. Sie wissen, wie extrem schnell das Internet wächst. Sie wissen, wie viele hundert tausende, Millionen Sites immer wieder dazukommen. Sie wissen, dass der Content immer reicher wird an Daten – ich sage nur Bilder weg von nur Text zu Bildern zu Bewegtbildern – das bedarf alles einer größeren Datenmenge. Google crawlt das Netz und speichert die Inhalte in Datencentern ab – dass wir hier einen enormen Wachstumsbedarf haben, liegt natürlich entsprechend auf der Hand. Wenn Sie heute von einem Datencenter sprechen, dann sprechen Sie nicht einfach von einer Lagerhalle, die auf die grüne Wiese gestellt wird, sondern Sie sprechen von einer hochkomplexen Struktur, wo viele zusätzliche Faktoren abgestimmt werden müssen. Ich glaube, wenn heute gesagt wird, hier handelt es sich um eine Verzögerung, dann ist man sich dessen nicht ganz bewusst, wie komplex so ein Datencenter ist, bis dieses fertig ist. Google hat sich für diesen Standort entschieden und es gibt einen Zug-um-Zug Maßnahmenplan, was die nächsten Schritte sind und das beginnt von detaillierten Wasserproben bis zur Energieversorgung und Dinge, wo z.B. Straßen umgeleitet werden müssen. Das kann nicht innerhalb von 2 Wochen passieren.

Thomas Fleischanderl: Und warum hat man sich hier genau für Österreich bzw. Kronstorf entschieden?

Karl Pall: Da sind sehr viele Faktoren zusammengekommen, die ich selbst nicht beurteilen kann – hier haben wir Experten, die das genau berechnet, gemessen und überprüft haben. All diese Faktoren zusammen haben dann Österreich als einen der möglichen Standorte in Erwägung ziehen lassen. Danach wurde entsprechend die Entscheidung für den Kauf des Grundstückes in Kronstorf getroffen.

Thomas Fleischanderl: Laut New York Times hatte Google im Jahr 2007 weltweit ca. 1 Mio. Werbekunden und die Zahlen werden aktuell auf 1,3 bis 1,5 Mio. geschätzt – wie viele Werbekunden gibt es in Österreich?

Karl Pall: Dass die Anzahl der Werbekunden stetig steigt liegt auch aufgrund des vorhin gesagten auf der Hand. Dass wir viele tausend Kunden haben, die den österreichischen Markt bedienen ist leicht vorstellbar. Aber ich glaube, wir müssen ein bisschen anders denken – wir haben sehr viele Kunden die von Österreich aus in die ganze Welt agieren und wir haben sehr viele Kunden, die vom Ausland in Österreich und in vielen anderen Ländern auch targeten. Das heißt nicht anderes, hier gibt es diese Grenzziehung gar nicht mehr, da das im Netz kontraproduktiv ist. Was immer zusammengeführt wird, ist natürlich die Sprache zwecks Verständnis und hier gibt es natürlich auch schon in allen Seiten eine Mehrsprachigkeit, wie man sie sich vor einiger Zeit noch gar nicht vorstellen konnte. Es ist hier nicht klar abzustecken, wie viele Kunden es in der Anzahl hier genau in Österreich sitzen und Österreich als Zielland haben – ich glaube, das ist schon längst passé und ist auch gar nicht unser Ansatz.

Thomas Fleischanderl: Und eine ungefähre Größenordnung, wie viele Unternehmen in Österreich auf Google Werbung schalten.

Karl Pall: Noch einmal – es gibt sicherlich tausende Unternehmen, die in Österreich sitzen. Es gibt auch tausende, die anderswo sitzen und vielleicht Österreicher sind und die nicht nur Österreich targeten. Also da geht es nicht darum, wie viele hier physisch sitzen und ich glaube, das ist einfach  eine Frage der Old Economy.

Thomas Fleischanderl: Laut Aussage auf Werbeplanung.at trifft die Finanzkrise z.B. auch Microsoft Österreich – dort denkt man natürlich auch daran die Budgets zu optimieren und mehr ins Internet zu investieren, da Online Marketing einfach kosteneffizient, sehr gut messbar ist und neben einer guten Reichweite auch geringe Streuverluste hat. Welche Trends sehen Sie im Online Marketing im Jahr 2009?

Karl Pall: Also ich glaube, dass eine wirtschaftliche Entwicklung, wie wir sie jetzt haben sicherlich sehr viele Unternehmen zum Aufwachen zwingt – zum Aufwachen zwingt aus den Gründen, weil sich die Rahmenbedingungen komplett geändert haben und man muss heute, wenn man unternehmerisch denkt, sich wirklich mehr auf Leistung – ich sage ganz bewusst auf Performance und damit auf Performance Marketing konzentrieren. Ich glaube, dass ist genau das, was Suchmaschinenmarketing heute macht, es ist genau das, was in den digitalen Welten viel einfach möglich ist – oder überhaupt erst möglich wurde. Hier geht es um Messbarkeit, um wirkliche Zurückführung, was mir das eingesetzte Budget bringt. Man kann das Runterbrechen bis ins Detail und messen, ob und in welcher Form sich etwas ausgezahlt hat. Die ROI-Rechnung ist eine ganz wichtige Rechnung – nur auf Verdacht und Kontaktchancen einzukaufen, das wird sich in nächster Zeit kräftig ändern.

Thomas Fleischanderl: Welche Bereiche will Google Österreich in den nächsten Jahren forcieren? Ist es die Personalisierte Suche? Ist es die Universal Search?

Karl Pall: Wenn wir heute auf Google schauen, so klar und reduziert die Startseite ist, soviel Information ist auch drinnen und wenn Sie sich etwas durchklicken auf den verschiedenen Angeboten, sehen Sie, dass Google so um die 100 Tools oder Produkte hat. Die meisten davon sind gar nicht bekannt – einzig das ist schon einmal ein Erlebnis wert, sich in diese andere Produktwelt von Google hineinzuversetzen und sich mit diesen Gratisprodukten (für den User immer gratis) auch entsprechend damit auseinanderzusetzen und ich glaube es gibt hier wirklich sehr spannende und interessante Dinge für jeden User, was Google hier zu bieten hat. Natürlich ist unser Core-Geschäft ist „Suche“, das ist keine Frage – und dass wir im Bereich Suche erst am Anfang stehen, ist auch relativ klar nachvollziehbar. Wir haben uns in den ersten Jahren nur auf Text beschränkt – die Textsuche, das Erfassen von Texten und auch eine entsprechende Reihung. Es wird Richtung Bilder gehen und auch in Richtung Bewegtbild gehen – aber worauf es wirklich ankommt ist einfach die Qualität der Suchergebnisse. Unsere große Aufgabe wird es sein – egal wie Sie das nennen, „Personalisierte Suche“ oder irgendwelche andere Begriffe, die im Umlauf sind – am Ende des Tages zählt nur eines, es geht darum, dass dem User eine entsprechend hohe Qualität und höchste Relevanz der Suchergebnisse in genau dieser Reihenfolge zur Verfügung zu stellen. Wir haben es heute einfach mit sehr vielen Worten zu tun, die eingegeben werden, die neu sind – neu sind, in der Form, dass sie nicht schon millionenfach eingegeben worden sind, Wortkombinationen, die komplett neu sind. Hier ist die Ergebnisbereitstellung mit jeder Sekunde und jeder Suchanfrage einer neuen Herausforderung gestellt. Das wird die große Aufgabe sein, hier  einfach noch bessere Qualität zu liefern.

Thomas Fleischanderl: Wird es Google Street View auch in Österreich geben und wenn ja, wann wird es soweit sein?

Karl Pall: Sie picken jetzt ein sehr tolles Tool heraus von den vorhin gesagten 100, die wir haben. Wir haben Street View in einigen Ländern gelaunched. Wir haben einen großen Erfolg gehabt z.B. voriges Jahr bei der Tour de France, wo man in Street View Perspektive die gesamte Strecke abfahren konnte. Wenn wir ein Produkt launchen haben wir das immer zum Ziel, das auch weltweit zu machen – nicht nur in einzelnen kleinen Segmenten, sondern hier auch ein Tool zur Verfügung zu stellen, das möglichst in allen Ländern auch anwendbar ist. Natürlich ist es ein Thema für Österreich wie für jedes andere Land dieser Welt auch. Wann es kommt, kann ich Ihnen nicht sagen, da hier entsprechend viele Faktoren zusammenhängen müssen – wo beginnt man zuerst, welche Länder sind für uns die relevantesten, welche Teile, welche Städte, was ist aktuell. Ich hab es vorhin an dem Beispiel genannt mit der Tour de France – es gibt viele Faktoren, die zusammenpassen müssen.

Thomas Fleischanderl: Abschließend hören wir jetzt noch den Google Country Manager Karl Pall im Word-Rap und ich bitte Sie mir zu den folgenden Schlagworten eine kurze Antwort zu geben – Ihr Lebensmotto.

Karl Pall: Lebe jeden Tag, so als wäre es dein letzter, aber gehe davon aus, dass er es nicht ist.

Thomas Fleischanderl: Ihr Lieblings-Blog.

Karl Pall: Ich habe keinen Lieblings-Blog, ich glaube das System von Blogs ist einfach, dass man tiefe Informationen zu Spezialthemen bekommt, die einen genauer interessieren und genau das was mich interessiert und wo ich in die Tiefe gehen möchte, da finde ich unter Blog Search mein Blogs und Informationen.

Thomas Fleischanderl: Ihr Lieblings YouTube Clip.

Karl Pall: Was mich eigentlich immer wieder fasziniert und was ich sehr gerne herzeige, sind z.B. Persiflagen auf Shakira – genial umgesetzt von einigen Leuten da draußen … immer wieder spaßig, das anzusehen.

Thomas Fleischanderl: Yahoo, Juhuu oder Flop?

Karl Pall: Total innovatives Unternehmen – ich glaube, absolut im Zeichen der Zeit. Ein eindeutiges Juhuu – Flop kann ich nicht sagen, ich möchte nicht einen Marktteilnehmer beurteilen – hier gibt es andere, die das tun undkönnen. Es ist sicherlich ein Unternehmen, das die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt hat.

Thomas Fleischanderl: Ihre Prognose für den meist gegoogelten Begriff Österreichs 2009.

Karl Pall: Wenn ich eine ernsthafte Prognose abgeben könnte, würde ich nicht hier sitzen und mit Ihnen telefonieren.

Thomas Fleischanderl: Karl Pall privat.

Karl Pall: Pendelt zwischen Stadt und Land, liebt es in Wien zu sein, fix liiert, viel Sport in der Freizeit – Ausdauer, was da heißt, wenn es irgendwie geht, lange Strecken zu laufen und ich peile gerade eben meinen 26. Marathon an, den ich laufen möchte. Ich esse gerne gut, weil nach viel Sport braucht man das und hat man das auch verdient.

Thomas Fleischanderl: Ihr größter Wunsch.

Karl Pall: Noch viele Wünsche haben zu können.

Thomas Fleischanderl: Österreich.

Karl Pall: Einer der schönsten Teile Europas.

Thomas Fleischanderl: Alles klar, herzlichen Dank, Herr Pall für das Interview!

Karl Pall: Danke, Herr Fleischanderl, danke Ihnen!

————————————————————–

Podcast Download

————————————————————–

Zur Information, hier geht’s noch einmal zum Interview mit Robert Basic vom damaligen Basicthinking-Blog.

4 Antworten zu “Interview mit dem Country Manager von Google Österreich: Dr. Karl Pall”
  1. [...] Interview mit Dr. Karl Pall, Countrymanager Google Österreich, bei Online-Marketing-Blog [...]

  2. [...] Zusammenfassend kann man sagen, dass Suchmaschinen-Marketing gerade auch für Steuerberater eine sinnvolle Maßnahme darstellt und in keinem Marketing-Mix fehlen sollte. Suchmaschinen-Marketing hat in Österreich noch sehr viel Potenzial – nicht zuletzt deshalb hat Google entschieden, in Österreich einen Standort zu errichten – mehr Informationen dazu findet man in einem Interview mit Google Österreich Chef Pall. [...]

  3. ……

    Кино фильмы онлайн

  4. seit 2010 hat sich ja ne menge getan, aber soweit wir es ersehen konnten ist viel Wasser unter der Brücke geflossen und google.at ist immer mehr und mehr eine regional orientierte suchmaschine geworden. Das heisst am Besten man hat ne .at domain und hostet in Österreich -> somit ne österreichische IP und es steht überall Österreich auf den Seiten :-) dann sollte es passen… wenn alles andere was emagnetix so schönes macht passt. :-)

css.php