Hier ist der sechste Teil des Interviews mit Robert Basic, eine Inhaltsübersicht gibt es im Intro-Post.

Online-Marketing-Blog.at: Den einen Vorteil, Die Kommunikation mit dem Kunden, hast du schon erwähnt – da hat ja dazumal der Daimler-Blog ein super Beispiel geliefert. Welche Vorteile gibt es aus deiner Sicht noch für ein Unternehmen mit einem Corporate Blog?

Robert Basic: Das Daimler-Blog wirkt eigentlich eher nach innen – man denkt immer so ein Corporate Blog wirkt nach außen – das ist das erste, was man denkt und das ist aber eigentlich nicht richtig. Je größer die Firma, umso stärker wirkt das nach innen, in dem Sinne, dass so ein Blog einen direkten Kommunikationskanal zum Kunden aufbaut, was die Firmen bisher nicht so hatten (und wenn, dann indirekt über die Vertriebsmannschaft). Nur dann war der Vertrieb halt immer der Vertrieb für sich und die anderen Mitarbeiter haben ja nie mitbekommen, was draußen an der Front passiert. Das kennen wir ja alle aus den Firmen, dieses Gefüge, dass man nicht genau weiß, was der Kunde will bzw. das was der Vertrieb für sich weiß, aber auch manchmal nicht wirklich zusammen mit den anderen Abteilungen agiert, um ein gutes Ergebnis zu erreichen.

Das kannst du auf dem Daimler-Blog oft beobachten, wenn du anfängst über Interna zu bloggen, beschäftigen sich die Kunden damit. Weil sich aber die Kunden damit beschäftigen, beschäftigen sich auf einmal interne Abteilungen vielmehr übergreifend über bestimmte Dinge über Daimler, die intern passieren.

War ein gutes Beispiel mit einer Verbesserungsplattform intern: Wo man als Mitarbeiter Ideen posten konnte, um bestimmte Dinge als Mitarbeiter bei Daimler verbessern konnte. Das wurde dann nicht richtig kritisiert von einem Blogger, der auch Mitarbeiter bei Daimler ist, der das auf Daimler Blog beschrieben hatte und auf einmal kam dann der Projektleiter dieses Projektes und hat sich dann auf dem Blog im Kommentar zu Wort gemeldet. Also hat nicht intern irgendeine Mail geschrieben oder Telefonat geführt, was normalerweise so der Weg ist. Mit Blind-Kopie an und was soll diese Kritik und hat versucht sich offen da drum zu äußern und hat auch die Kunden damit einbezogen. Was einen viel stärkeren Fokus zum Kunden bewirkt. Aber das wirkt nach innen tatsächlich (abteilungsübergreifend) und das ist ein eklatant genialer Vorteil wir sprechen hier Organisationslehre in Betriebswirtschaft oder bei euch in Österreich sagt man ja Ökonomie, glaube ich, und ich glaube man nennt das Fajonische Brücke, wo man normalerweise kommuniziert (in Firmen eben über Hierarchien), was sehr schwerfällig ist. Durchbricht man diese Hierarchien und kommuniziert direkt, kann das sehr hilfreich sein, organisatorisch und effizienter ein Unternehmen weiter voran zu führen.

Das ist ein extrem unterschätzter Vorteil, den die Blogs bieten können, da man sich der Öffentlichkeit stellt und weil man quasi danach intern auch dadurch automatisch agiert. Das hat also schon einen hohen Einfluss nach innen. Also sollte man nie vergessen, ein Blog wirkt nach innen und das glaub ich ist ein großer Vorteil zur Effizienzsteigerung des Unternehmens. Man wird tatsächlich, wenn man es als Endaussage stehen lassen will, vielleicht, was es am Besten trifft: Man eint eigentlich das wie man sich selbst sieht, mit dem, wie der Kunde die Firma sieht. Das bekommt man normalerweise so nicht mit – und auf einem Blog bekommst du das dann sehr schnell mit … nicht nur Kritiken.

Online-Marketing-Blog.at: Interessant. Nur die Firma muss sich eben trauen. Würde ich sagen.

Robert Basic: Ja, das ist ein riesen Aspekt – wie gesagt, da war halt dieses Marketingproblem, wir dürfen nicht so viel Werbung betreiben – was schreiben wir überhaupt, wer soll überhaupt schreiben – das muss ja organisatorisch abgefackelt werden. Dann hat in Deutschland zumindestens der Betriebsrat eine große Rolle zu spielen, d.h. man muss das während der Arbeitszeit machen. Der Mitarbeiter darf auch nicht vom Abteilungsleiter angemeckert werden: „Hey Willi, mach jetzt mal wieder deinen Job und schreib hier nicht wieder was Blödes ins Internet, das interessiert ja sowieso keinen.“ All das mußt du erstmal regeln. Da sind relativ viele Hürden zu nehmen und das sollte man nicht unterschätzen.

Gerade bei großen Firmen ist das natürlich ein größeres Problem, als bei ganz kleinen Firmen, sprich Kirstin Walter, das Beispiel mit dieser Kelterei Walters. Da ist sie in einem Familienbetrieb und hat die alleinige Entscheidungsbefugnis und wenn die sagt, „ich blogge“, dann bloggt sie und die anderen Mitarbeiter die lesen das quasi als Firmenzeitung. Aber das sind nur 10 – 20 Mitarbeiter. Das sind nicht so viele. Das heißt, hier sind die Entscheidungswege und die Kommunikation untereinander wesentlich einfacher – ob man was macht und wie man es macht. Also ist es wirklich ein Größenordnungsproblem, das man nicht unterschätzen sollte – je größer die Firma, umso schwerer ist es mit dem Bloggen – was wirklich nicht daran liegt, dass Firmen zu blöd sind, sondern es ist ein organisatorischer relativ großer Kraftakt – ohne zu wissen – und das ist nämlich das Problem was es eigentlich unterm Strich bringt, wenn wir Unternehmen und überhaupt die Wirtschaft betrachten und in etwas hinein investieren, ohne zu wissen, was es bringt. Das passiert normalerweise nicht. Da musst du schon sehr visionär sein. Und da sind wir schon am Pudels Kern. Du brauchst jemanden, der die Fahnen vor sich trägt, auch mutig genug ist und sagt, „ich glaub daran, ich mach das, ich gehe ein Risiko ein, ich werde wahrscheinlich kritisiert werden, wir werden nicht die Erfolge vorweisen können, wie im Vertrieb, wo wir ganz knallharte Zahlen haben für das Controlling”. Sondern es sind sehr weiche Zahlen haben, um das alles zu messen – das muss man sich alles selber aufbauen. Da gibt es sehr wenig Erfahrungswerte – auch aus der Kommunikationswissenschaft kommt da wenig. Also das ist alles so „do it by yourself“. Überleg mal – und das müsstest du jetzt machen: Ich geb dir einen Auftrag von Daimler Benz, du verdienst bisher 100.000 € pro Jahr, du sollst das Blog machen und wenn das nicht funktioniert Willi, kriegst halt ein schlechtes Zeugnis und eine schlechte Provision dieses Jahr. Und du würdest dich dafür wirklich freiwillig melden und das genau, obwohl du weißt, was da alles passieren wird und was das für ein Kraftakt wird. Das ist eine Personenfrage und eine ROI-Frage, deren Antworten man nicht kennt.

2 Antworten zu “Robert Basic Interviewserie (6/7)”
  1. [...] kommt, was die These stützt, dass externe Unternehmensblogs auch eine wichtige Kommunikationsfunktion nach Innen besitzen. Knapp zwölf Prozent der Befragten gab an, Kunde zu sein und 9,8% der Leser sind [...]

  2. [...] mit dem Kunden – ein Blog wirkt aber nicht nur nach außen sondern auch nach innen (hat Robert Basic einmal gesagt). Daher sollte konstruktives Feedback dankend entgegengenommen [...]

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